Bundesweite Rotmilankartierung 2011/2012

Volkszählung bei den Rotmilanen: Mit 10.000-14.000 Paaren brütet mehr als die Hälfte des weltweit nahezu ausschließlich auf Europa beschränkten Bestandes hierzulande. Deutschland hat daher eine herausragende internationale Verantwortung für den Schutz dieser Art. Auch in Rheinland-Pfalz kommt die Art regelmäßig vor (400 – 700 Paare), allerdings fehlen für viele Regionen Angaben zu seinem Bestand und außerdem sind die Daten nun schon über zehn Jahre alt, so dass eine Wiederholungskartierung nun notwendig wurde.

Rotmilan (Milvus milvus), Foto: S. RösnerDiese Erfassungslücken sollen in diesem und dem kommenden Jahr nun systematisch geschlossen werden: Eine bundesweite Bestandserfassung, organisiert vom DDA (Dachverband deutscher Avifaunisten) und seinen Mitgliedsverbänden und unterstützt vom Bundesamt für Naturschutz sowie den Landesfachbehörden, soll Klarheit über die aktuellen Bestände liefern und außerdem die Voraussetzungen dafür schaffen, einen umfassenden nationalen Aktionsplan zum Schutz des Rotmilans aufzustellen. Die GNOR beteiligt sich daran aktiv. Dabei hoffen wir auf Ihre Mithilfe!

Rotmilane erfassen – ein spannendes und lohnenswertes Erlebnis!

Rotmilane erfassen ist nicht nur etwas für Spezialisten. Ganz im Gegenteil: Aufgrund des charakteristischen Aussehens und des auffälligen Fluges ist die Art mit etwas Übung leicht für jede/n zu erkennen. Jeder Naturfreund wird von den akrobatischen Luftspielen und den spektakulären Sturzflügen, die Rotmilane während der Balz vollführen, in den Bann gezogen. Genau solche Beobachtungen sind es, mit denen Sie im Rahmen der bundes- und landesweiten Kartierung die Reviere des Rotmilans ermitteln können. Und wen spornt es nicht an, dort wo die Rotmilane in den Wald verschwinden, auch nach dem Horst zu suchen und in Erfahrung zu bringen, ob das Paar zur Brut schreitet und wie viele Jungen es großziehen wird? Auf diese Weise lässt sich der Spaß beim Beobachten hervorragend mit der Erhebung wichtiger Daten für den Naturschutz verbinden. Darüber hinaus dürften eine Reihe interessanter Bei-Beobachtungen von anderen Greif- und Großvogelarten wie Schwarzmilan und Wespenbussard möglich sein.

Gefährdungsanalyse als Basis für ein Schutzkonzept

Um die Bestandssituation jedoch genauer unter die Lupe nehmen, deren steuernde Faktoren ermitteln und ihr Zusammenspiel erkennen zu können, bedarf es eines umfassenden Datenfundus. Genaue Daten zu den Brutwäldern oder Horststandorten sowie zum Bruterfolg sind Grundlage und Voraussetzung für eine umfassende Gefährdungsanalyse, bei der beispielsweise die Lebensraumausstattung, die Auswirkungen der Landnutzung auf Bruterfolg und Habitatqualität oder den Erfolg von Schutzmaßnahmen bewertet werden sollen. Die Ergebnisse sollen für die Umsetzung von Artenschutzprogrammen in den Bundesländern und für die Erstellung eines nationalen Aktionsplans zum Schutz des Rotmilans herangezogen werden.

Ausmaß von Gefährdungsursachen noch unzureichend bekannt

Seit Beginn der 1990er Jahre nahm der Brutbestand bundesweit um etwa 30 % ab. Die größten Verluste traten zwischen 1991 und 1997 auf: Beispielsweise brach allein im nördlichen Harzvorland die lokale Population auf fast die Hälfte ein. Seitdem ist die Entwicklung uneinheitlich: Während der Rückgang in Ostdeutschland bis heute anhält, waren im Westen des Landes bis 2003 leicht positive Tendenzen erkennbar; seitdem nahm der Bestand aber auch dort um bis zu 20 % ab. Für eine langlebige Art wie den Rotmilan ist dies ein alarmierender Wert.

Die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen deuten darauf hin, dass in ackerreichen Landschaften der schnelle und dichte Aufwuchs von Mais, Wintergetreide und Ölsaaten zu einem Nahrungsengpass in der Aufzuchtszeit führt. Andere Gefährdungsursachen sind Störungen im Horstumfeld während der Brutzeit oder Windenergieanlagen, in deren Nähe Rotmilane jagen oder Kollisionsopfer auflesen und dabei häufig selbst verunglücken. In Spanien und Frankreich, wo ein Großteil der mitteleuropäischen Population überwintert, zählen illegale Vergiftungen und Abschüsse zu den häufigsten Todesursachen. Eine Verbesserung der Gefährdungssituation ist derzeit nicht in Sicht. Wichtig sind lokale oder regionale Untersuchungen zur Brut- und Populationsökologie, um das Ausmaß der verschiedenen Gefährdungsursachen zu quantifizieren und zu fundierten, allgemein gültigen Aussagen zu gelangen, auf deren Grundlage Schutzmaßnahmen konzipiert werden können.

Ihre Mitarbeit ist gefragt!

Je mehr Beobachter an dieser Erfassung teilnehmen, desto genauer und aussagekräftiger werden die Ergebnisse und umso erfolgreicher können unsere Argumente und Schutzbemühungen für diese einmalige Vogelart sein. Alles was Sie benötigen, sind ein Fernglas (oder Spektiv) und Zeit für mehrere Geländebegehungen zwischen Mitte März und Mitte Mai, bei denen Rotmilane und deren Brutwälder erfasst werden. Sofern es Ihre Zeit zulässt, sollten mit der gebotenen Vorsicht auch die Horste gesucht werden. Entweder im März während der Revierbesetzungsphase (vor Laubaustrieb) oder aufbauend auf den getätigten Beobachtungen. Wenn immer möglich sollte der Bruterfolg ermittelt werden (zwei zusätzliche Termine im Juni).

Um die Erfassung zu systematisieren, ist es wünschenswert, die Kartierung eines Messtischblatt-Viertels (TK 25-Quadrant) zu übernehmen und vorab abzustimmen (Landeskoordinationsstelle für Untersuchungsflächen:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  ) – gerne auch mehr. Die Koordinationsstelle stellt Ihnen das erforderliche Kartenmaterial (Topografische Karte 1 : 25.000) für die Geländeerfassungen in der Untersuchungsfläche zur Verfügung. Wer mitmachen möchte, d.h. ein MTB-Viertel (oder mehr) zu erfassen, sollte sich unbedingt bei Thomas Wolf (Tel.: 06131 / 6033-1432 oder  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  ) oder auch in der Landesgeschäftstelle der GNOR melden. Eine Tabelle mit einer Auflistung der Untersuchungsflächen und der Rotmilan-Kartierer/-innen ist auf dieser Seite abrufbar (**klick**). Sie wird ständig aktualisiert.

Alle wichtigen Informationen rund um die Rotmilankartierung haben wir für Sie in einem Kartierleitfaden zusammengefasst, der Ihnen auf dieser Seite als Download (**klick**) zur Verfügung steht oder den Sie mit weiteren Informationen auf der Internetseite des DDA unter www.dda-web.de finden oder in der Landesgeschäftsstelle der GNOR anfordern können.

Rotmilan-Revier festgestellt – unabhängig von einer

Untersuchungsfläche

Auch wenn Sie keine Untersuchungsfläche betreuen, ist jede einzelne Feststellung eines Rotmilan-Brutreviers meldewürdig. Meldungen nimmt die Koordinationsstelle (  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  ) oder die Landesgeschäftsstelle der GNOR entgegen. Bitte denken Sie bei dieser Art Meldung an eine aussagekräftige Dokumentation (Verortung, Lage, Datum, Erfasser usw.), damit sie für Dritte nachvollziehbar ist. Wir werden die Beobachtung möglichst umgehend an den zuständigen Bearbeiter der Fläche weiterleiten oder für nachfolgende Kartierungen archivieren. Eine Anleitung für die Mitteilung von revierverdächtigen Beobachtungen ist als Download verfügbar (**klick**).

Wir wünschen Ihnen bzw. Euch viel Erfolg, Spaß und tolle Beobachtungen. 
Vielen Dank für den Einsatz.

Christoph Grüneberg (DDA), Michael Schmolz (GNOR) & Thomas Wolf (LUWG)